Togo: Im Mittelpunkt einer Mission zur Behandlung von Kindern und zur Weitergabe von Wissen

In Togo ist der Zugang zu medizinischer Versorgung für Kinder mit urologischen Fehlbildungen nach wie vor stark eingeschränkt. Fachärzte sind selten und die Kosten für Operationen für viele Familien nicht erschwinglich. Im Dezember 2025 brachte eine Mission von La Chaîne de l’Espoir am Universitätsklinikum Sylvanus Olympio in Lomé togolesische und französische medizinische Teams mit einem gemeinsamen Ziel zusammen: Kinder mit komplexen Erkrankungen zu operieren und gleichzeitig wertvolles medizinisches Wissen weiterzugeben.

Die Behandlung der besonders gefährdeten Kinder

Fünf Tage lang setzte sich ein französisch-togolesisches Team für die Versorgung von Kindern mit komplexen urologischen Fehlbildungen ein, insbesondere bei Hypospadien und Blasenekstrophien. Diese Erkrankungen erfordern hochspezialisierte chirurgische Eingriffe, die in Togo aufgrund der geringen Zahl an Kinderurologen nur schwer zugänglich sind.

Insgesamt konnten 12 Kinder von einer vollständig finanzierten Operation profitieren. Für ihre Familien bedeutete diese Mission häufig eine einmalige Chance auf eine Behandlung, die sonst aus finanziellen Gründen unerreichbar geblieben wäre.

Über den medizinischen Eingriff hinaus ermöglicht jede Operation diesen jungen Patienten eine bessere Zukunft – frei von Schmerzen, gesundheitlichen Komplikationen oder der möglichen Stigmatisierung durch ihr Umfeld.

Heute ausbilden, um morgen zu behandeln

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Mission lag auch auf dem umfangreichen Ausbildungsanteil. Gemeinsam mit Prof. Agnès Liard, Kinderurologin aus Rouen und ehrenamtlich für La Chaîne de l’Espoir tätig, nahmen togolesische Kinderchirurgen sowie Ärzte in Weiterbildung an den Eingriffen teil. Sie konnten Operationstechniken beobachten und sich direkt mit den Experten austauschen.

Dieser Ansatz, der auf Erfahrungsaustausch und praktischer Begleitung im Operationssaal basiert, ermöglicht es den lokalen Fachkräften, neue Kompetenzen bei Erkrankungen zu erwerben, die in Togo nur selten behandelt werden. Das medizinische Personal profitiert von einer praxisnahen Ausbildung, die unmittelbar im täglichen Arbeitsumfeld angewendet werden kann.

Während der Mission konnten außerdem 27 Studierende des Diplôme d’Études Spécialisées (DES) in Chirurgie die Operationen verfolgen und ihre Kenntnisse in zunehmend spezialisierten Bereichen der Kinderchirurgie vertiefen.

„Es fällt uns schwer, solche Fehlbildungen zu operieren. Die Missionen bringen uns viel bei und sind eine große Unterstützung für die Bevölkerung. Auf technischer Ebene habe ich dieses Mal die sogenannte ‚Mathieu-Technik‘ kennengelernt, einen chirurgischen Eingriff zur Wiederherstellung beziehungsweise Rekonstruktion der Harnröhre“, berichtet Dr. Awoute Michèle, Studentin im fünften Jahr des DES.

Eine Zusammenarbeit, die das Gesundheitssystem nachhaltig stärkt

Der Austausch zwischen den togolesischen und französischen Teams beschränkt sich nicht auf die Zeit im Operationssaal. Gespräche über klinische Fälle, der Austausch über Anästhesieverfahren und die Organisation der Nachsorge tragen dazu bei, die Fähigkeiten der lokalen Krankenhausabteilung dauerhaft zu stärken.

Diese Strategie des Kompetenztransfers bildet eine der Säulen der Arbeit von La Chaîne de l’Espoir. Ziel ist es, den lokalen Teams schrittweise mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen, damit immer mehr Kinder direkt in ihrem eigenen Land behandelt werden können.

Die Ergebnisse sind bereits sichtbar: Nach Abschluss der Mission setzten die Teams des Universitätsklinikums Sylvanus Olympio die Behandlung weiterer Kinder fort und stützten sich dabei auf die während dieser Zusammenarbeit erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen.

„Indem wir uns auf genau definierte Krankheitsbilder konzentrieren, gewinnen wir an Effizienz. Diese Missionen ermöglichen es den togolesischen Kinderchirurgen, von der Erfahrung von Spezialisten zu profitieren, die ausschließlich solche Eingriffe durchführen“, betont Dr. Sosso Piham Kebalo.

Eine Kette der Solidarität, die Leben verändert

Indem La Chaîne de l’Espoir Kindern medizinische Hilfe ermöglicht und gleichzeitig die Kompetenzen togolesischer Gesundheitsfachkräfte stärkt, handelt die Organisation auf zwei entscheidenden Ebenen: Sie beantwortet die unmittelbaren Bedürfnisse der Patienten und schafft gleichzeitig die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung.

Diese Mission verdeutlicht die Überzeugung, die den Verein seit mehr als 30 Jahren antreibt: heute Leben zu retten und gleichzeitig das Wissen weiterzugeben, das notwendig ist, um morgen weitere Leben zu retten.

Die erst 3 Jahre alte Prudence Awume litt seit ihrer Geburt an einer komplexen urologischen Fehlbildung, die ihr ein normales Wasserlassen unmöglich machte. Nach dem Scheitern einer ersten Operation verlor ihre Mutter Ama nie die Hoffnung. Die Ankunft einer kinderchirurgischen Mission von La Chaîne de l’Espoir in Lomé bedeutete für beide eine neue Chance auf Heilung und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihr Kind.