Am 1. November wird Charlie Capelle an Bord von Acapella zu seiner siebten Route du Rhum aufbrechen. Alleinsegelnd geht es von Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre. Schon bald wird er die Stege der Korsarenstadt erreichen, wo er gemeinsam mit Proludic und La Chaîne de l’Espoir die Feierlichkeiten im offiziellen Regattadorf erleben wird. Die letzten Einstellungen, die letzten Kontrollen und die letzten Trainingstörns stehen nun auf dem Programm. Damit beginnt die entscheidende Schlussphase einer jahrelangen Vorbereitung, die der Segler – bekannt für seine Leidenschaft für seine „Stradivari der Ozeane“ – mit dem für ihn typischen Engagement angeht.

Seit dem Stapellauf bereite ich das Boot jeden Tag weiter vor. Ich gehe regelmäßig aufs Wasser, um die Einstellungen zu optimieren, die Segel und das Rigg zu überprüfen und vor allem das komplett erneuerte elektrische und elektronische System in allen Einzelheiten kennenzulernen

erklärt Charlie. Acapella präsentiert sich heute wieder in voller Pracht und dürfte in der Flotte der 118 Boote unterschiedlichster Größen und Generationen, die im Herbst an der legendären Transatlantikregatta teilnehmen werden, zweifellos alle Blicke auf sich ziehen.

Gründliche körperliche und medizinische Vorbereitung

Die Zeit scheint dem kleinen gelben Trimaran nichts anhaben zu können, obwohl er die meisten Teilnahmen an der Route du Rhum vorweisen kann. Dasselbe gilt für seinen Skipper, der sich in bestmöglicher Verfassung auf den Start vorbereitet.

Mit 71 Jahren wird Charlie Capelle der älteste Teilnehmer der 13. Ausgabe der Route du Rhum sein – eine Rolle, die er mit großer Disziplin annimmt und für die er seit vier Jahren nichts dem Zufall überlässt.

Neben den Tausenden von Arbeitsstunden, die er in die vollständige Restaurierung seines treuen Begleiters investiert hat, absolvierte er ein langfristig angelegtes und speziell auf ihn abgestimmtes Fitnessprogramm.

„Mein Geheimnis ist regelmäßiges Aquabike-Training und Pilates. Beide Aktivitäten stärken die Tiefenmuskulatur, ohne den Körper unnötig zu belasten. Seit zwei Jahren gehören sie fest zu meinem Alltag“, erzählt Charlie, dessen größte Energiequelle nach wie vor die Freude am Segeln mit Acapella ist.

Den Atlantik allein an Bord eines 11,50 Meter langen Trimarans zu überqueren, bleibt jedoch eine enorme Herausforderung. In seinem Alter kam es für Charlie nicht infrage, sich ohne eine umfassende medizinische Untersuchung auf ein solches Abenteuer einzulassen.

Deshalb absolvierte er ein dreiwöchiges Programm im Rehabilitationszentrum Kerpape in Ploemeur, einer der führenden Einrichtungen Frankreichs für Sportrehabilitation. Nach einer umfassenden medizinischen Untersuchung einschließlich ausführlicher Laboranalysen unter der Leitung von Dr. Thierry Charland, dem leitenden Arzt für Hochseeregatten, steht fest: Charlie befindet sich in ausgezeichneter gesundheitlicher Verfassung.

„Das Urteil ist eindeutig: Ich bin einsatzbereit!“, sagt der Skipper von Acapella lächelnd. Dazu tragen auch sein gesunder Lebensstil und seine ausgewogene Ernährung bei.

Sommerregatten

Bestärkt in seinem Wunsch, die besondere Atmosphäre der Transatlantikregatta zwischen der Bretagne und Guadeloupe erneut zu erleben, nahm Charlie im Sommer an mehreren Vorbereitungsregatten teil.

Ende Juni startete Acapella mit Crew bei der Ronde Sénane, der traditionellen Regatta rund um die Île de Sein mit Start in Audierne – einer Veranstaltung, an der Charlie seit vielen Jahren regelmäßig teilnimmt.

Der zweite wichtige Meilenstein war der Drheam Cup, der zu zweit zwischen Cherbourg und Lorient durch den Ärmelkanal und die Biskaya ausgetragen wurde.

„Es war eine wunderschöne Strecke und vor allem ein hervorragender Test für die große Herausforderung, die mich im November erwartet“, erklärt Charlie.

Während vier Tagen auf See und fast 700 Seemeilen (rund 1.300 Kilometer) unter sehr unterschiedlichen Wetterbedingungen – also fast einem Viertel einer Atlantiküberquerung – lieferte sich die Crew ein intensives Rennen. Abgesehen von einem kleinen Problem mit einem Fall blieb das Boot vollkommen unbeschädigt.

„Das Boot ist in einem tadellosen Zustand.“

Auch sportlich konnte sich das Ergebnis sehen lassen: Nach einem spannenden Rennen verpasste die Crew das Podium nur knapp.

Der nächste Schritt: Allein auf See

Ab Anfang August wird Charlie einen Solo-Qualifikationstörn absolvieren. Die Route wurde vom Regattaleiter der Route du Rhum festgelegt und umfasst zwischen 1.000 und 1.500 Seemeilen durch die Biskaya. Sie wurde speziell konzipiert, um unter realen Bedingungen sämtliche Solo-Manöver noch einmal zu trainieren.

Danach steht nur noch der große Start bevor: am 1. November vor Saint-Malo. Dort wird der Trimaran in den Farben von La Chaîne de l’Espoir und Proludic – der treueste Teilnehmer der Route du Rhum – bereits mit großer Vorfreude und verdienter Begeisterung erwartet.